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Ehrliches Mitteilen. Wenn mitteilen, dann ehrlich!

Ich war letzte Woche drei Tage alleine wandern im Thüringer Wald. Das Bewegen in freier Natur erdet mich und ich habe den Eindruck, dass ich viel weniger Gedanken produziere, als wenn ich im Büro sitze. Die "Basics" stehen im Vordergrund: Habe ich für den Abend ein Bett? Wird es etwas Warmes zu essen geben? Ich freue mich auf die erfrischende Dusche nach der 20 km-Tour. Auch das Nicht-Reden geniesse ich.


Und wenn ich dann wieder rede, möchte ich, dass es dabei um einen Austausch geht, bei dem sich jeder so zeigen und einbringen kann, wie sie oder er eben gerade da ist. Dieses ehrliche Begegnen in Freiwilligkeit ist etwas, was ich in meinem Leben eigentlich nur noch machen möchte. Kein Verstellen, egal aus welchem Grund oder für wen oder was.



Und ich muss das üben, weil das Prinzip "Ehrliches Mitteilen" mir zwar Orientierung gibt, die Kultur, in die ich eingebunden bin, aber mehrheitlich anders funktioniert. Kommunikation ist mit Macht ausüben, Manipulieren, Beeindrucken und Ziele erreichen verbunden.Und je mehr ich über Bindungsmuster lerne, desto klarer wird mir auch, wie oft fast jede/r von uns als kleiner Mensch gezwungen war, sich selbst zu verstellen bzw. zu verraten, um in das vom Aussen erwartete Bild zu passen, um etwas Aufmerksamkeit zu bekommen oder zu vermeiden, bestraft zu werden. Und je älter ich bin, desto mehr gefallen mir unbequeme Menschen, die Dinge hinterfragen, nicht in ein Bild passen wollen, das ihnen vorgegeben wird und die auch fordernde Fragen stellen, auf die es oft keine schnellen Antworten gibt.


Um das überhaupt tun zu können, braucht es die Sicherheit, irgendwo dazuzugehören. Denn niemand von uns ist in der Lage, sich ohne Austausch mit anderen weiterzuentwickeln. Wir sind auf Mitteilen, auf Feedback, Spiegel und Kooperation angewiesen. Das mag nicht immer einfach sein, aber wichtig für uns. Egal wie individualisiert wir uns geben, wir sind und bleiben Herdentiere.Die Herausforderung bei ehrlicher Begegnung ist es, dass wir auch das erst lernen dürfen, denn wer von uns hat das schon in seiner Kindheit und Jugend erfahren: Dass wir uns immer wieder neu auf Augenhöhe begegnen, dass wir auch bewertende Gedanken und Empfindungen in Kontakt bringen dürfen mit unseren Gegenübern.



Ich glaube, dies allein wäre schon eine kulturelle Revolution.Du kannst dabei erfahren, dass es guttut, deine Gedanken und Empfindungen auszusprechen. Es befreit. Dir kann dabei selbst bewusstwerden, wieviel Angst und Projektion dabei oft im Spiel sind. Und als Zuhörender kannst du lernen, wirklich aufmerksam zu sein im Moment, ohne sofort zu reagieren.Viel Spass wünschen wir uns beim Üben, beim Ausprobieren, beim Fehlermachen und beim Dranbleiben!


Text von Michael Sommer


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