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Bindung, Autonomie und Beziehungen - Warum geht das nicht "einfach"?

Warum habe ich solche Angst, mich zu binden? Warum fühle ich mich manchmal beziehungsunfähig? Warum werde ich immer wieder verlassen? Warum triggern mich immer ähnliche Dinge? Warum gerate ich immer an dieselben Typen oder in dieselben Verhaltensmuster?


Welcher Bindungstyp bist du?
Verbindung und Autonomie

Eine Erklärung dafür können dir die von John Bowlby (1907 – 1991, brit. Kinderpsychiater) erarbeiteten Bindungstypen geben.


Sowohl Bindung als auch Autonomie sind menschliche Grundbedürfnisse. Als Säuglinge und Kinder ist zuerst die Bindung lebensnotwendig, da wir uns auch emotional nicht alleine regulieren können. Deshalb ist die Co-Regulation durch eine nahe Bezugsperson ebenso wichtig wie Nahrung, damit wir emotional "gesund" bleiben und unser Nervensystem sich immer wieder beruhigen kann. Aber wir brauchen zunehmend auch genügend Autonomie und Freiräume, um uns weiterzuentwickeln, zu lernen und uns zu entfalten.


Wenn die Bindung in ausreichendem Maß erfahren wird, können wir einen sicheren Bindungsstil entwickeln. Dieser ermöglicht, Nähe zuzulassen, gut alleine sein zu können und sich als Erwachsener selbst zu regulieren. Konflikte/unterschiedliche Sichtweisen werden nicht als dramatisch empfunden, sondern als Bestandteil unterschiedlicher Bedürfnisse. Du hast als Kind erfahren, dass die Eltern nach Konflikten wieder den Kontakt zu dir gesucht haben, das Bindungsgefühl ging nie verloren. Du wurdest gesehen, du durftest dich zeigen. Bedürftigkeit war erlaubt, Umarmungen hast du bekommen. Die Umgebung hat sich sicher angefühlt, du warst willkommen. Gefühle zu zeigen war in Ordnung, deine Bezugspersonen konnten deine Gefühle von ihren eigenen unterscheiden.


Alles, was dir als Kind davon vorenthalten wurde, hat ein Gefühl der Unsicherheit in dir ausgelöst. Dabei kommt es weniger auf die absolute Abweichung dessen an, was du nicht bekommen hast, sondern noch mehr darauf, wie du es verarbeiten oder nicht verarbeiten konntest; und darauf, wie du es ganz persönlich empfunden hast. Je nachdem, welche "Wunden" du erlitten hast, wie und wie oft du das Verlassen-Werden, das Nicht-Gesehen-Werden, das Beschämt-Werden konkret erlebt hast, musstest du schon früh im Leben eine Überlebensstrategie entwickeln. Du hast Teile abgespalten, Gefühle nicht mehr gefühlt.


Für manch einen war das eine unfreiwillige Trennung von den Bezugspersonen (durch Krankenhausaufenthalt o.ä.), für einen anderen psychische oder physische Gewalt (Gewalt beginnt mit dem Ausspielen von einem Machtgefälle, mit ihrer Androhung), vielleicht warst du ein "Schlüsselkind" und es war ganz oft niemand zuhause, wenn du heimkamst. So musstest du irgendwie früh mit deiner Einsamkeit klarkommen. Eher bestraft zu werden, wenn etwas falsch lief, anstatt auf Stärken hingewiesen zu werden, schadet unserem Nervensystem. Du entwickeltest eher die Sicht, dass etwas an dir nicht richtig ist, anstatt zu erkennen, dass das System um dich herum sehr unbeständig ist. Solche Erfahrungen erzeugten eine Verlassenheitswunde.


Und es gibt Kinder, die eine starke Vereinnahmung erlebt haben. Sie sollten für Bezugspersonen etwas darstellen und erfüllen, was diese sich selbst nicht geben konnten. Du warst quasi fremdgesteuert, solltest immer funktionieren und warst zum Geben "dressiert". Das brave Kind ist so "pflegeleicht". Eigene Bedürfnisse zu äußern, konnte so nicht geübt werden, denn jeder Versuch in diese Richtung wurde rigoros (durch offen aggressives oder passiv aggressives Verhalten der Bezugspersonen) unterdrückt. Aus diesen Erfahrungen heraus entstand die Vereinnahmungswunde.


Egal wie genau es für dich war, eine als unsicher empfundene Bindung zu den wichtigen Bezugspersonen oder/ und fehlende Selbstbestimmung und Autonomie hat von dir als Kind unbewusst Entscheidungen verlangt. Wenn du dich nicht so zeigen konntest, wie du wirklich warst mit all deinen Gefühlen und Bedürfnissen, wenn du starke Schwankungen in der Präsenz und Verlässlichkeit deiner Bezugspersonen erlebt hast, stehen dir zwei grundsätzliche Möglichkeiten zur Verfügung:


1.    Das Kind "opfert" seine Bedürfnisse zugunsten der Bindung, d.h. es passt sich an und fühlt sich für die Bindung zur Bezugsperson verantwortlich. Die Bindung hat Vorrang vor deiner Persönlichkeit. Der Verbindungstyp als Muster entsteht. Es schwingt immer die Angst mit, dass es mit der Bindung nicht hinhauen könnte, dann strengst du dich noch mehr an. Deine Angst, verlassen zu werden, kann schnell angetriggert werden (siehe Verlassenheitswunde).

2.    Das Kind kapselt sich innerlich ab, es kappt die Verbindung und sichert seine Autonomie. Es schafft sich selbst die Sicherheit, die es vom Außen nicht bekommt. Die Bindung zu den Bezugspersonen wird als zu unsicher empfunden. Der Autonomietyp zieht sich in seine Innenwelt zurück und lernt sehr früh, dass er selbst Verantwortung übernehmen muss. Deine Angst, vereinnahmt und fremdgesteuert zu werden, kann schnell ausgelöst werden (siehe Vereinnahmungswunde).


Es ist wichtig anzumerken, dass das keine freiwilligen Entscheidungen als Kind sind, sondern dass du einen Ausweg aus einer Unmöglichkeit gesucht hast, weil du nicht so sein durftest, wie du warst. All das hat auf dein späteres Bindungsverhalten als Erwachsener große (zunächst dir unbewusste) Auswirkungen. Und sie können nur schrittweise verändert werden, wenn du dir dieser Muster bewusster wirst.


In unseren Seminaren kannst du in einer sicheren Umgebungen erforschen, welcher Bindungstyp (oder welche Mischform) du bist und wie du damit besser umgehst, um nicht "immer" wieder die selben Erfahrungen zu machen, sondern wirklich Nähe und Liebe zu erfahren.



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